Sonntag, 20. Dezember 2015
Judo im Westisland
Heute hatte die Mädels ihr letztes Judotraining vor den Weihnachtsferien. Luzi und Paulina haben im ETV viel gelernt und sind gut dabei obwohl das Training in Französisch und Englisch ist. Am Ende des Trainings haben alle Kinder eine Urkunde bekommen, das war für unsere Mädels ganz toll.


Im Anschluss daran gab es ein „Pot Luck“, d.h., dass jeder etwas zu Essen und zu Trinken mitbringt. Luzi hatte sich Pizzaschnecken gewünscht, also bin ich heute morgen um sieben aufgestanden und habe den Teig angesetzt. Und das am ersten Ferientag. Aber die Pizzaschnecken sind gut angekommen.
Das Judotraining unterscheidet sich in einigen Dingen von dem Training in Hamburg: Zum Einen findet das Training im Keller einer Kirche statt. Und dann dürfen alle Eltern immer zuschauen und damit die Eltern und Geschwister es gemütlich haben gibt es Tische und Stühle für sie. Das führt dazu, dass die Eltern sich auch ganz schnell kennenlernen. Auf einen Umkleideraum wurde wiederum verzichtet.
In ein paar Tagen ist Luzi mit Hana, einer zwölfjährige Judokollegin, verabredet. Und Paulina geht auch mit und spielt dann mit Hanas Schwester. Die macht zwar kein Judo, aber das ist ja auch nicht so wichtig.

Ansonsten bin ich sehr froh, dass Weihnachtsferien sind. Aber die Zeit von den Herbstferien bis jetzt ist mega-schnell vergangen. Henning war ja in Deutschland, dann bin ich für drei Tage nach Washington geflogen um dort mit den Chemielehrerinnen von den anderen deutschen Schulen in Nordamerika Abituraufgaben zu entwerfen. Es war ganz cool mal die anderen kennenzulernen und zu erfahren, wie deren Schulen so sind. Von Washington selber habe ich aber nicht viel gesehen. Mein Kollege Jan war wg. Bioabitur auch mit und auf dem Weg zurück haben wir beide festgestellt, dass wir sehr froh sind, in Montreal gelandet zu sein und nicht an einer der amerikanischen Schulen. Da wären wir ja aber sowieso nicht hingegangen.



Donnerstag, 22. Oktober 2015
Herbert wird langsam ungehalten
Herbert hat auch unseren Reiseblog verfolgt, ihm wurde (unauffällig) ein Beitrag gewidmet und jetzt beschwert er sich mittlerweile lautstark, dass es nicht weitergeht...
Aber wir sind hier nun mal nicht im Urlaub und mit dem Fahrrad unterwegs sondern wir haben auch einen ganz normalen Alltag, nur halt nicht dort sondern hier.
Na dann bekommt Ihr halt Alltägliches:
Einiges geht anders aber eins geht eigentlich nicht: Wein kaufen. Im Supermarkt gibt es Wein, Supermarkt-Wein. Bei uns würde man bei geschlossenem Supermarkt die Tankstelle aufsuchen und würde mit Tankstellen-Wein nach hause kommen. Der Snob geht in den Fachhandel und bringt leckere Erzeugnisse kleiner Handwerksbetriebe aus unterschätzten Anbaugebieten auf den heimischen Tisch und lernt mit jeder geleerten Flasche wieder etwas dazu. Problem Kanada: es gibt keine Weinhandlungen! Nach schwedischer Art gibt es hier nur die "Staatliche Alkohol Quelle" SAQ, die aufgemacht ist wie eine ernstzunehmende Vinothek aber eigentlich auch nur die beiden oben beschriebenen Segmente bedient, es sei denn man wäre bereit jenseits von 30 $ für eine Flasche auszugeben. Das hat direkt zur Folge, dass die Kanadier weithin als ein Volk der Biertrinker bekannt sind. Wir mittlerweile auch.

Einkaufen geht auch anders. Mittwoch abends liest man irgendwo am Straßenrand eine dicke Plastiktüte voller Flyer mit Sonderangeboten auf und studiert diese hernach sorgfältig. Entweder stößt man selbst auf irgendein Produkt, das man gerade braucht mit 30 – 50 % Rabatt oder man bekommt einen Tipp von Kollegen und kauft dann die Winterstiefel für die Hälfte.

Nicht benötigte Ausrüstung

Tanken geht auch anders: die einzelnen Tankstellen scheinen sich nicht so abzusprechen wie zuhause mit dem Effekt, dass da plötzlich ein unverschämt günstiges Angebot (1,02 $ pro l) am Weg liegt. Da fahren dann alle hin und vor jeder Säule bilden sich Schlangen, manchmal auch von beiden Seiten weil die Autos ja so breit sind und doch nur auf einer Seite einen Tankdeckel haben. Das führt dann zu Knäueln von Autos, die aber in der gebotenen kanadischen Seelenruhe ohne Hupen und Gezeter innerhalb weniger Minuten entwirrt werden.

Und dann noch die kleinen nationalen Besonderheiten wie etwa Tim Hortons, das sich dem US-Imperium von starbucks entgegenstellt oder aber den kleinen frankophonen Späßen, dass auf dem roten 8-eckigen Verkehrsschild nicht wie auf der ganzen Welt einschließlich Frankreichs „STOP“ steht sondern halt adrett „Arrêt“ und das mache ich jetzt auch.
Danke Herbert!

Noch ein Zusatz: wir hatten unser erstes Thanksgiving und haben uns dem Ritus angepasst und Truthahn gegessen. Auf Empfehlung der Boucherie gab es ein tiefgefrorenes Exemplar weil laut Aussagen des Schlachters ein frischer Turkey mutmaßlich bei der zu diesem Termin benötigten Anzahl wohl eher kein frischer sei...

My first Turkey



Montag, 21. September 2015
Vom Kochen...
Ihr könnt Euch ja nicht vorstellen, wie das ist, mit dem AGA zu kochen; er hat ja nur zwei Platten. Für ein gewöhnliches kanadisches Frühstück sieht das dann so aus:
Frühstück
Lammkeule geht wie zuhause, dauert nur länger:
Lammkeule
Die Mikrowelle ist uns dagegen noch etwas fremd. Was wir nicht noch mal versuchen werden: tiefgefrorenen (ja - man kommt auf komische Ideen bei den Milchproduktpreisen hier) Gouda in der Mikrowelle aufzutauen:
Gouda



Dienstag, 11. August 2015
Die erste Woche
Am Donnerstag haben wir dann nach einem (gefühlten) Monster-Einkauf erst mal zwei Stunden bei Videotron und eine halbe Stunde bei Bell in der Mall „Fairview“ verbracht um dann bei Videotron einen Vertrag über Telefon und Internet, und zwar mit einer unbegrenzten Datenmenge - eine Flatrate zum Surfen ist hier nicht das Normale – abzuschließen. Außerdem habe ich mir mal schnell ein Smartphone ausgesucht und auch dafür einen Vertrag abgeschlossen. Videotron ist da ganz fortschrittlich und auch ein Ausländer ohne kanadische „Credit history“ kriegt ein Handy – wenn man den Wert des Handys einfach mal im Vorfeld hinterlegt. Allerdings brauchte ich zwei Photo-IDs und da ich meinen Pass nicht mit hatte musste ich am folgenden Tag noch mal hin und das Gerät abholen. Dafür kam der Techniker – Sebastian – aber auch schon am Samstag und hat bei uns zuhause alles eingerichtet. Fernsehen können wir wohl auch, das war im Paket dabei, haben wir aber noch nicht ausprobiert obwohl wir ja sogar einen Fernseher von unseren Vermietern hinterlassen bekommen haben. Wir haben neben dem Fernseher einiges vorgefunden: Diverse Möbelstücke, die wir zum Sperrmüll geben sollten, Bücher, das Klavier (war abgesprochen), jede Menge Küchenkram, wir können also kochen und backen (obwohl der Container immer noch nicht da ist), ein Drucker ohne Toner, drei Telefone die alle Schrott sind, ein uraltes Telefon, was funktioniert, eine Golfschlägertasche nebst Inhalt, einen Rasenmäher, und so weiter.

Sperrmüll vor unserem Haus
Wir haben dann angefangen die Zimmer oben zu streichen, damit sie schön weiß (statt braun bzw. gelb und blau) sind wenn die Möbel kommen. Montag haben wir dann mal nach einem Auto Ausschau gehalten – wir hatten ja seit Samstag Internet! – und Henning hat bei einem Händler angerufen, der sprach aber nur Französisch, man ist ja schließlich in Québec. Der englischsprechende Kollege sollte in 10 Minuten zurückrufen, nach einer Stunde haben wir unseren Freund Hugo angerufen, ob er mal bei dem Typen wegen des Autos anrufen könne. Hugo: „Where is it? I go there“. Aufgelegt. Eine halbe Stunde später rief er an es sei ein gutes Auto. Er würde uns jetzt abholen kommen (Hugo wohnt eine Stunde entfernt) und wir sollen bei ihm übernachten, morgen kauft er dann ein Auto mit uns. Meinen Einwand wir hätten doch einen Mietwagen und könnten auch zu ihm kommen hat er wohl nicht verstanden (Hugo spricht auch lieber Französisch). Wir haben also schnell zu ende gestrichen, unsere Sachen zusammen gesucht und dann kam Hugo und ist mit uns zu sich nach Basile Le Grand geheizt. Dort hat er Surf’n’Turf für uns gemacht (war super lecker), die Kids waren mit seinen Kids im Pool

und wir haben am Feuer gesessen und Wein getrunken bevor wir im Pop-up-tent geschlafen haben. Am nächsten Vormittag haben wir dann mit Hugo einen schwarzen Subaru Legacy Bj 2005 gekauft.
Er hat uns noch geholfen ihn anzumelden und eine Versicherung abzuschließen bevor wir dann mit unserem eigenen Auto wieder in den englisch-sprachigen Teil zurückgefahren sind.
Mittlerweile war auch Jan-Olaf, der Kollege aus Hamburg der auch frisch an die AvH gegangen ist, im West Island angekommen und den haben wir dann auch gleich mal getroffen.
Zwischendurch hatten wir uns um die Krankenkassenanmeldung hier in Québec, um einen Termin für den kanadischen Führerschein und um eine kanadische Kreditkarte gekümmert und haben uns eine Kitchen-Aid gekauft. Außerdem waren wir bei Kollegen zum Essen bzw. Kaffee trinken und die Kinder durften schon diverse Male in Jans Pool baden.
Am Freitag waren wir zum ersten Mal in Montreal selber und haben ein Fahrrad für Paulina gekauft. Mehr haben wir dort aber auch nicht gemacht. Die Straße, in der der Fahrradladen war, sah nett aus, und auch was wir auf dem Weg dorthin von der Innenstadt gesehen haben hat uns gefallen.
Sonntag haben wir dann Paulinas Geburtstag mit Hugo und Mylene sowie deren drei Kindern und Jan gefeiert. Das war sehr nett und entspannt. Obwohl deren Kinder nur Französisch sprechen haben sich die Kinder gut verstanden.
von links: Jan, Paulina, Melia, Mylene, Nelly, Hugo, Theo, Luzi, ich

Wir sitzen an Paulinas Geburtstag auf der Bootsrampe in Beaconsfield

Paulina auf ihrem neuen Fahrrad, ein "Miele" ;-)

von kathrin (das mit dem kursiv kriege ich noch nicht hin)



Sonntag, 9. August 2015
angekommen
Am 29.Juli ging unser erster „echter“ oneway-Flug von Hamburg nach Montreal. Wir waren sehr rechtzeitig am Flughafen weil ich 3 Instrumente im Handgepäck mitnehmen wollte. Im Vorfeld hatte ich mich lange um CITES-Papiere (für die Bögen mit Elfenbein-Kopfplatten) und Negativbescheinigungen für die Instrumente, die keine Materialien beinhalten, die unter den Artenschutz fallen, gekümmert. Beim Zoll verbrachte ich dann auch eine dreiviertel Stunde bis alle Papiere zur Ausreise erstellt, ausgefüllt, gestempelt und unterschrieben waren. Dann wurden wir von unseren Eltern und meinem Freund Olly verabschiedet.
Über Frankfurt ging es nach Toronto, wo wir mit einer guten Stunde Verspätung ankamen. Dort kostete uns Frau Martins-Miller einige Nerven weil sie die Visa-Letter, die unsere Arbeits-Visa bzw. Study-Permits bestätigten nicht ohne weitere Dokumente akzeptieren wollte. Diese Papiere waren jedoch im Koffer, an den wir erst nach Immigration und Zoll rankamen. Sie akzeptierte auch keine Scans dieser Dokumente, die Kathrin auf ihrem Laptop bei sich hatte. Stattdessen ließ sie uns kommentarlos eine Stunde warten um uns dann doch das nötige Papier in die Pässe zu heften. Nur gut, dass Kanada nicht irgendeine Bananenrepublik in den Händen einer Militärjunta ist: so hatten wir im Stillen immer die Hoffnung, dass uns die Einreise nicht verweigert werden würde. Dass hier alles mit rechten Dingen zugeht kann man auch daran ablesen, dass mein Arbeitsvisum die Arbeit in Sexclubs oder ähnlichem explizit ausschliesst...
Nach dieser Vorgeschichte erwarteten wir das Schlimmste beim Zoll: der Zollbeamte jedoch holte trotz der komplizierten Vorgänge mit den Instrumenten und dem separat mit dem Schiff im Container anreisenden Umzugsgut all die verschenkte Zeit mit besonderer Freundlichkeit und Unkompliziertheit wieder rein und wir verpassten nicht den Weiterflug. So erreichten wir nach 22 Stunden Anreise Montreal und fielen um 1 Uhr Ortszeit in die wunderbar weichen Betten des Sheraton Airport Hotels.
Am nächsten Morgen waren wir mit Helga, der österreichischen Freundin unserer Vermieter, bei unserem Haus in der Hillsite St in Beaconsfield verabredet. Dort lernten wir AGA kennen, unser neues Familienmitglied. Dabei handelt es sich um den englischen Landhausherd, der das Zentrum unseres neuen Zuhause darstellt, ein Ungetüm aus 420 kg Gusseisen, das Tag & Nacht beheizt wird und dem wahre Wunderdinge in Sachen Garung von Nahrungsmitteln zugeschrieben werden. Unsere Vermieter Mary & Meher haben ihn uns wärmstens ans Herz gelegt wissend, dass man neu Kochen lernen muss. Dazu und zum Rest von Kanada bald mehr...



Unser neuer blog
soll unsere Freunde über unsere Zeit in Kanada auf dem Laufenden halten.

Von ganz vorne:
2013/2014 waren wir mit unseren Töchtern für 9 ½ Monate auf Weltreise. Zurück in Hamburg fehlte uns nichts aber recht bald bekamen wir mehr und mehr Lust unserem Leben einen neuen Kick zu geben: wir beschlossen für längere Zeit ins Ausland gehen. Es ist dann Montreal in Kanada für einen Zeitraum von drei Jahren geworden.

Die Beiträge von Kathrin sind kursiv, die von Henning normal.