Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Also fange ich einfach bei DER Entdeckung heute morgen am Frühstückstisch an: Paulina entdeckt in ihrem zweiten Frühstücksei DAS Eierloch, ja genau das sagenumwobene von „Fang mich doch!“

Also, der Anfang ist geschafft und wo wir schon beim Essen sind: das Brot backen geht weiter, unterschiedlicher Erfolg. Brote mit wenig oder keiner Hefe funktionieren tendenziell nicht so gut in unserem Ofen, er kommt nicht auf die benötigten 250°C. Aber andere Brote werden richtig gut. Ich habe mich in das Thema eigenes Brot mittlerweile richtig eingearbeitet und kann sagen, dass das ein echtes Hobby geworden ist, nicht zuletzt dank der Fachliteratur, die meine geliebte Frau mir diesbezüglich bereits in der Heimat geschenkt hatte. Ein anderes zeitaufwändiges Hobby ist seit der vergangenen Woche dazu gekommen: der Vollzeit-Französisch-Kurs auf der Ile Perrot. Montags bis Donnerstags von 9 – 15 Uhr 30 und Freitags von 9 – 12 Uhr habe ich jetzt für 10 Wochen Französisch Niveau 2 gemeinsam mit Frauen aus aller Welt und Heinrich, dem Ehemann von Kathrins Schulleiter.

Training im Garten!
Das dritte neue Hobby ist das Skilaufen, gestern war ich mit der Familie Maurer (sie macht die Bibliothek an der AVH, er ist Kathrins Kollege dort) am Mont Olympia, eine Autostunde nach Norden. Zuerst mal war es sehr kalt, ein Maximum von -10°C aber es ging dann doch ganz gut mit Handschuhen in den Fäustlingen und Sturmhaube und Mütze unterm Helm. Im Vergleich zu unserem Hausberg in Rigaud ist das schon richtig was: 6 Lifte und 20 Pisten und auch ein wenig mehr Höhendifferenz. Das Samstag-Abend-Ticket, gültig von 15 bis 22 Uhr kostet 20$, ein echtes Schnäppchen. Hobby vier ist seit letztem Dienstag Hockey, zuhause nennt man es Eishockey, hier braucht es diese Vorsilbe nicht, ist ja eh klar... Die Lehrer/Eltern-Hockey-AG hat also seit dieser Woche den Ort und damit auch den Untergrund gewechselt, wir treffen uns ab jetzt im Christmas Park in Beaconsfield. Den Umgang mit Stock & Puck muss ich noch gehörig üben aber die Kufe läuft schon wieder recht geschmeidig...

Beim Kufen-Schleifer
Dann waren wir auch das erste mal auf dem St.Laurent, der zugefroren einen ganz neuen Spielplatz für uns bietet:

Blick nach Osten...

... und nach Westen
3 Minuten zu Fuß haben wir jetzt ein riesiges neues Areal für Spaziergänge. Wir sprachen mit zwei Männern, die zum Eisangeln Löcher ins Eis gebohrt und diverse Angeln aufgestellt hatten. Demnächst können sie dann wohl mit dem Auto zu ihren Löchern fahren, momentan ist das Eis erst etwa 12 cm dick.

Rechts im Bild der (motorisierte) Bohrer für die Löcher
Ganz nebenbei ist still und leise unser erstes Halbjahr an der Alexander von Humboldt Schule zu ende gegangen. So unsortiert wie es losging heute geht es auch zu ende: Paulina ist am vergangenen Sonntag ein paar Stufen die Treppe in unserem Haus heruntergefallen und dabei auf den Hinterkopf gefallen. Nach einigem Hin & Her sind wir in das Kinderkrankenhaus nach Montreal gefahren um sie untersuchen zu lassen. Diagnose: eine Gehirnerschütterung, soweit alles ok, zwei Tage nicht zur Schule gehen und zwei Wochen keinen Sport. Die Erfahrung im Krankenhaus war richtig gut. Auch der Support aus der Heimat war hervorragend, danke Kay! Wo wir schon beim Arzt sind: neulich war ich wegen einem kleinen defekt beim Zahnarzt. Dort auch eine Kanada-Erfahrung: im Wartezimmer bemerke ich, dass alle anderen Patienten keine Schuhe tragen, stattdessen so Überzieher. Also ging ich zurück in den Vorraum, fand den Stiefelberg, stellte meine dazu, entnahm ein Paar Überzieher aus einem Spender und

war fortan nicht mehr von einem Kanadier zu unterscheiden. Die wenigen Minuten Warten im Behandlungszimmer waren viel zu kurz, hier die Aussicht:

Nach ausgedehntem Plausch mit dem Arzt über alle möglichen Themen ging es dann auch irgendwann mit der Behandlung los. Wieder diese angenehme Erfahrung, dass das Geldverdienen nicht so extrem im Vordergrund steht sondern der menschliche Aspekt zumindest gleichberechtigt ist.
Zum guten Schluss noch ein Bericht vom heutigen Tag: wir brachten Paulina zu einer geburtstags-Einladung ins Science-Museum in die City. Danach fuhr der Rest der Familie auf den Mont Royal um dort Schlittschuh zu laufen. Wieder sehr kanadisch: es gibt ein Gebäude, in dem man sowohl Schlittschuhe als auch Langlauf-Skier ausleihen kann und auch sehr praktische Umkleiden sind. In den Bänken sind Fächer für die Straßenschuhe, unten offen damit der Schnee abfallen kann. Zwar sind die Fächer verschließbar aber genutzt wird das wohl nur von Leuten, die ihre Schlittschuhe dort über Nacht lagern. Über Gummimatten geht es dann auf die Eisfläche, es spielt dezente klassische Musik und man blickt hinüber auf den Schlittenberg, auf dem man auf abgetrennten Bahnen Wettrennen fahren kann. Mit diesen winterlichen Impressionen verabschiede ich mich für heute, zurück ins Studio...

Sunday on ice

Und danach noch ein paar Bagel bei "Fairmount Bagel" holen
