Herbert wird langsam ungehalten
Herbert hat auch unseren Reiseblog verfolgt, ihm wurde (unauffällig) ein Beitrag gewidmet und jetzt beschwert er sich mittlerweile lautstark, dass es nicht weitergeht...
Aber wir sind hier nun mal nicht im Urlaub und mit dem Fahrrad unterwegs sondern wir haben auch einen ganz normalen Alltag, nur halt nicht dort sondern hier.
Na dann bekommt Ihr halt Alltägliches:
Einiges geht anders aber eins geht eigentlich nicht: Wein kaufen. Im Supermarkt gibt es Wein, Supermarkt-Wein. Bei uns würde man bei geschlossenem Supermarkt die Tankstelle aufsuchen und würde mit Tankstellen-Wein nach hause kommen. Der Snob geht in den Fachhandel und bringt leckere Erzeugnisse kleiner Handwerksbetriebe aus unterschätzten Anbaugebieten auf den heimischen Tisch und lernt mit jeder geleerten Flasche wieder etwas dazu. Problem Kanada: es gibt keine Weinhandlungen! Nach schwedischer Art gibt es hier nur die "Staatliche Alkohol Quelle" SAQ, die aufgemacht ist wie eine ernstzunehmende Vinothek aber eigentlich auch nur die beiden oben beschriebenen Segmente bedient, es sei denn man wäre bereit jenseits von 30 $ für eine Flasche auszugeben. Das hat direkt zur Folge, dass die Kanadier weithin als ein Volk der Biertrinker bekannt sind. Wir mittlerweile auch.

Einkaufen geht auch anders. Mittwoch abends liest man irgendwo am Straßenrand eine dicke Plastiktüte voller Flyer mit Sonderangeboten auf und studiert diese hernach sorgfältig. Entweder stößt man selbst auf irgendein Produkt, das man gerade braucht mit 30 – 50 % Rabatt oder man bekommt einen Tipp von Kollegen und kauft dann die Winterstiefel für die Hälfte.

Nicht benötigte Ausrüstung

Tanken geht auch anders: die einzelnen Tankstellen scheinen sich nicht so abzusprechen wie zuhause mit dem Effekt, dass da plötzlich ein unverschämt günstiges Angebot (1,02 $ pro l) am Weg liegt. Da fahren dann alle hin und vor jeder Säule bilden sich Schlangen, manchmal auch von beiden Seiten weil die Autos ja so breit sind und doch nur auf einer Seite einen Tankdeckel haben. Das führt dann zu Knäueln von Autos, die aber in der gebotenen kanadischen Seelenruhe ohne Hupen und Gezeter innerhalb weniger Minuten entwirrt werden.

Und dann noch die kleinen nationalen Besonderheiten wie etwa Tim Hortons, das sich dem US-Imperium von starbucks entgegenstellt oder aber den kleinen frankophonen Späßen, dass auf dem roten 8-eckigen Verkehrsschild nicht wie auf der ganzen Welt einschließlich Frankreichs „STOP“ steht sondern halt adrett „Arrêt“ und das mache ich jetzt auch.
Danke Herbert!

Noch ein Zusatz: wir hatten unser erstes Thanksgiving und haben uns dem Ritus angepasst und Truthahn gegessen. Auf Empfehlung der Boucherie gab es ein tiefgefrorenes Exemplar weil laut Aussagen des Schlachters ein frischer Turkey mutmaßlich bei der zu diesem Termin benötigten Anzahl wohl eher kein frischer sei...

My first Turkey